Samstag, 23. September 2017

Geburtstag in  Artis Spiel- und Sprachwerkstatt


Schon in den ersten beiden Wochen durften die Kinder eine CD bekleben, wir haben alle Kinder fotografiert und so unseren Geburtstagskalender erstellt. 







 Am Geburtstag eines Kindes bemalen die anderen Kinder einen Punkt, den sie auf die Geburtstagskarte kleben dürfen, wir schreiben unter jeden Punkt den Namen des Kindes.




Nach unserem zweiten Sprachspiel starten wir unser Geburtstagsritual. 

Die Kinder sitzen in zwei Reihen auf den Stühlen, das Geburtstagskind kommt zu uns Leiterinnen. 
Alle Kinder helfen mit, einen Ballon aufzublasen, die Kinder blasen auf den Boden, eine Leiterin bläst in den Ballon. Von der Decke führt eine Schnur mit einem Trinkhalm zum Geburtstagskind auf 
den Boden. Wir kleben den Ballon am Trinkhalm fest und gemeinsam führen wir den Countdown aus. Ich zeige fünf Finger und wir zählen langsm rückwärts, bei Null startet die Rakete. 

Weil es den Kindern so viel Spass macht, blasen wir den Ballon ein zweites Mal auf und lassen unsere Geburtstagsrakete ein zweites Mal starten. 



Danach setzt sich das Geburtstagskind auf einen Stuhl und darf eine von vier Schnüren, die zu einem
roten, einem gelben, einem grünen und einem blauen Geschenk führen aussuchen. Es zieht an der Schnur und langsam kommt das Geschenk zum Kind. Ich öffne die Geschenkverpackung vorsichtig und das Kind nimmt sein Geschenk heraus. Zur Zeit verschenken wir Duden Wortschatzbücher, sie sind mit ihren klaren Bildern und der Beschriftung ideal für unsere meist fremdsprachigen Kinder. 


Nun setzt sich das Geburtstagskind an den Tisch, vor seinen Geburtstagszug, die Glückwunschkarte und das Geschenk legen wir zum Stuhl. Wir zünden die Kerzen an und zählen gemeinsam, wie alt das
Kind wird. 

Wir singen "drüü Johr alt bisch du, ... ", "happy birthday" und "zum Geburtstag viel Glück" und dann gibt es zur Feier des Tages Popcorn. 

Viele Eltern nutzen die Gelgenheit, ihr Kind in der Spielgruppe zu beobachten und verbringen den 
Geburtstag mit uns. 



Sonntag, 20. August 2017

Spiel-Ideen gesucht

Im kommenden Jahr möchte ich gerne die Tendenz in Richtung Smartphone ein wenig aufhalten und mit den Kindern Spiele basteln, die sie zu Hause mit ihren Eltern spielen können. Mir scheint, die Spielkultur geht langsam verloren, dabei wäre sie so wichtig, vorallem auch für die Sprache. 

"Das ist interessantes Spiel! Wo kann ich kaufen?" fragte vor ein paar Jahren ein Vater an unserem Spielnachmittag, als sein Sohn ein Puzzle zusammensetzte. 

Einige Ideen schwirren schon in meinem Kopf herum, aber ich bin sicher ihr kennt auch noch einiges, was wir mit den Kindern basteln können. Ich freue mich sehr über eure Ideen!

Becherball 

Wir bemalen eine Becher und wickeln einen Pompon. Die Kinder
halten den Becher und versuchen durch geschicktes Werfen, den 
Pompon in den Becher zu werfen. 


Katzenspiel

Gleiches Spiel wie dasSchneckenrennen, wir basteln aus Korkzapfen verschieden farbige
Katzen und kleben die Spielfelder auf einen farbigen Wellkarton. Die Katzen machen ein Wettrennen, die Kinder würfeln mit dem Farbwürfel.



CD-Kreisel

Die Kinder bekleben eine CD und stecken ein kurzes Holzstück mit einem Polsternagel am einen
Ende durch das Loch der CD. 


Tennisröhre-Kugelbahn

Wir lochen eine transparente Tennisballröhre, die Kinder stecken Nägel durch die Löcher, diese kleben wir mit einem bunten Klebeband fest. Wir legen eine Murmel hinein und geben etwas Glitter dazu. Eine ausführliche Anleitung findet ihr auf Artis Kreativwerkstatt.




Röhrlidose


Die Kinder bekleben eine Tennisballröhre, wir bohren Löcher in den Metallboden und bekleben ihn mit farbigen Punkten. Nun bekommen die Kinder Cakepop-Röhrchen, sie stossen die Röhrchen durchs richtige farbige Loch in die Dose.



Tiere-Wettrennen

Wir mailen die Vorlage an die Eltern und bemalen oder basteln mit den Kindern Spielfiguren, z. B. aus Korkenzapfen. 




Memokarten

An unserem Eltern-Kind-Halbtag erhalten alle Eltern die erste Serie unserer Memokarten zum Thema Tiere. Gemeinsam mit den Eltern stecken wir die Karten in die geschnittenen Münzentaschen, danach zeigen wir den Eltern verschiedene Spielmöglichkeiten mit den Memokarten. Wir spielen die Spiele ohne einen Sieger zu ermitteln, es geht um das Spiel und natürlich um die Sprache.  

Zum Beispiel: 

Einzel-Memo-Spiel: Je eine Karte verdeckt auf den Tisch legen, die anderen Karten als Stapel bereit legen. Die erste Karte vom Stapel zeigen, der Reihe nach suchen alle Mitspieler die passende zweite Karte. 

Memo-Spiel: Alle Karten liegen verdeckt auf dem Tisch, die Mitspieler decken nacheinander zwei Karten auf, wer zwei gleiche Karten aufdeckt, legt diese zur Seite. Der nächste Spieler ist an der Reihe. 

Versteckis: Die Karten in der Wohnung verstecken und gemeinsam mit dem Kind suchen. 


Angeln: Aus einer abgeschnittenen Zahnbürste und einem Magnet basteln wir für die Kinder eine Angel. An die Karten stecken wir einen Büroklammer und legen die Karten in eine Schachteln. Nun dürfen alle Mitspieler nacheinander eine Karte angeln. Oder wir legen nur eine Hälfte der Karten in die Schachtel, die andere ist als Stapel beim Spielleiter, er zeigt eine Karte und die Mitspieler versuchen die passende 
Karte zu angeln. 

Drehscheibe 

Die Kinder bemalen oder bekleben einen runden Bierdeckel. Gemeinsam kleben wir auf beiden Seiten eine Knopf auf. Wir fädeln eine Drachschnur durch die Knöpfe und binden auf beiden Seiten einen Holzperle fest. Die Kinder halten die Drehscheibe an beiden Perlen und drehen die Scheibe, danach ziehen sie leicht nach aussen, die Drehscheibe dreht sich von selbst. Braucht ein wenig Übung und Hilfe, aber danach gehts, immer wieder faszinierend.


Solltet Ihr Fragen zur Herstellung oder dem benötigten Material haben, helfe ich euch gerne weiter.




Sonntag, 6. August 2017

Spielgruppe für alle


Manchmal blicke ich neidisch nach Basel-Stadt und ihrem Spielgruppenobligatorium, obwohl ich schon vereinzelt gehört habe, dass es noch nicht so richtig funktioniert. 

Mein Ziel war es von Anfang an, für alle Kinder die Möglichkeit zu schaffen, die Spielgruppe zu besuchen - nach 10 Jahren muss ich leider feststellen, dass ich mein Ziel nicht erreicht habe. 

Die finanzielle Seite


Dank Bundessubventionen und der Unterstützung des Kantons konnten wir unser Elternbeiträge bis letztes Jahr mit Fr. 15.- relativ tief halten. 2017 laufen nun die Bundessubventionen aus, wir sind auf die Unterstützung unserer Gemeinde angewiesen, wir mussten die Elternbeiträge auf Fr. 17.- erhöhen, und wenn uns die Gemeinde nächstes Jahr nicht grosszügiger unterstützt, werden wir nur noch fünf 
Halbtage statt bisher 8 Halbtage anbieten können. 

Die andere Seite

Nein, wir können und wollen uns nicht beklagen, alle unsere Plätze sind belegt, wir könnten nicht mehr Kinder aufnehmen, aber trotzdem. 


Kinder im Spielgruppenalter (Jahrgang 2013 – 2015)                        206
  
Artis Spiel- & Sprachwerkstatt                                                              30  
( + 13 Kinder kommen von auswärts)

SG 2  + 3 
(Schätzung  – unsere Anfrage wurde nicht beantwortet)                      30

Krippe  und Kita                                                                                    42


Kinder in SG oder Krippe                                                                   102

Kinder die eher nicht aussfamiliär betreut werden                       104


Das bedeutet, das mehr als die Hälfte der Kinder keine Spielgruppe besuchen - in unserer Gemeinde sind 
85 % der Kinder fremdsprachig und kommen meist erst in der Spielgruppe, der Kita oder dann noch später im Kindergarten mit der deutschen Sprache in Kontakt. 

Wir haben 192 Eltern angeschrieben, daraus ergaben sich 11 Anmeldungen (zwei davon von Geschwistern ehemaliger SG-Kinder).

Was läuft bei uns falsch? 


In meiner ersten Spielgruppe in einer Nachbargemeinde kamen alle Kinder in die Spielgruppe oder besuchten die Krippe. Als wir nur noch insgesamt 22 Kinder in der Gemeinde hatten, mussten wir eine Spielgruppe schliessen. 

Bitte versteht mich nicht falsch, ich finde nichts Schlechtes oder Falsches daran, wenn Kinder nur zu Hause betreut werden. Ich mache mir Sorgen um die Kinder, die ohne Deutschkenntnisse in den Kindergarten kommen und auch dort keinen Anlass haben, Deutsch zu lernen, da die meisten Kinder gleichsprachige Kinder antreffen werden. 

Wie sieht es bei euch aus? 


Die Spielgruppen der Stadt St. Gallen erzählten mir vor ein paar Jahren, sie erreichen ca. 90 % der Kinder. 

Wie bewerbt ihr eure Spielgruppen? Mit welchem Erfolg? Könnt Ihr den empfohlenen Elternbeitrag von 
Fr. 20.- verlangen? 








Sonntag, 2. Juli 2017

Wir sind umgezogen

Liebe Leserinnen, liebe Leser 

Die untenstehenden Beiträge vom 2. Juli 2017 sind nicht neu, sondern von meinem Artis Spiel- und Sprachwerkstatt-Blog hierher umgezogen. Die ältesten Beiträge stammen aus dem Jahr 2014, sind vielleicht nicht mehr ganz aktuell, aber immer noch interessant. 

Aus dem Artis Spiel- und Sprachwerkstatt-Blog entsteht in nächster Zeit mein "Deutsch für Kinder-Blog" in dem ich euch interessante Sprachspiele und ein attraktives Rahmenprogramm vorstellen möchte, welches den Kindern hilft, die deutsche Sprache kindgerecht und spielerisch zu lernen. 

Artis Spiel- und Sprachwerkstatt


Im Jahr 2008 starteten wir mit einem herkömmlichen Sprachförderprogramm unsere erste Sprach-spielgruppe. Sehr schnell stellten wir fest, dass viele unserer Kinder mit den Kartenspielen gar nichts anfangen konnten. Statt die Flinte ins Korn zu werfen, versuchten wir ein anderes Programm, welches allerdings für Kindergartenkinder gedacht ist. Mit den neuen, auf unsere Altersstufe angepassten Spiele klappte die Sprachförderung schon ein bisschen besser, aber erst als wir mit konkreten Gegenständen zu arbeiteten begannen,konnten wir alle Kinder erreichen.
           
In unserer Spiel- und Sprachwerkstatt verbinden wir die Vorteile alltagsintegrierter Sprachförderung mit denjenigen der expliziten Sprachförderprogrammen. Wir arbeiten ganzheitlich und handlungsorientiert, bei uns geschieht das Lernen nicht im theoretischen, abstrakten Kontext, sondern es wird in sinnvolle Handlungszusammenhänge eingebettet. Gudjons spricht von einer eigentätigen, viele Sinne umfassenden und aktiven Auseinandersetzung mit einem Lerngegenstand. (Gudjons, 1990)

Wir arbeiten immer mit konkreten Gegenständen, da die Kinder nur lernen können, was sie auch verstehen. Durch häufige Wiederholungen und Chorsprechen können sich die Kinder alltägliche Sprachfloskeln einprägen, ihre Sprechwerkzeuge trainieren und die neue Sprache im Alltag anwenden.

Unsere Sprach- und Förderspiele sind in der Praxis entstanden. Wir haben uns an den Interessen der Kinder orientiert und sieben Themen aus ihrem Alltag in unser Jahresprogramm integriert. Immer wieder nehmen wir Ideen der Kinder auf und lassen sie in unsere Spiele einfliessen.

Seit fünf Jahren wird unser Konzept täglich in der Praxis auf die Probe gestellt. Über 200 Kinder, davon 80 % mit einer anderen Erstsprache konnten wir mit einem ausreichenden Grundwortschatz, gutem Selbstvertrauen und einer altersgerechten Entwicklung in den Kindergarten entlassen.   
           
Kinder aus Migrationsfamilien mit schwachen Deutschkenntnissen profitieren vom systematischen Aufbau unserer Sprachwerkstatt. Einheimische Kinder werden durch unsere abwechslungsreichen und interessanten Sprachspiele angeregt und können ihre Sprachkompetenzen verbessern und ihr grammatikalisches Wissen erweitern.
Wir halten es für sehr wichtig, auch deutschsprechende Kinder in unseren Gruppen zu haben, sie sind die besten Vorbilder für Kinder, die Deutsch als Zweitsprache lernen. 

Deutsch sprechen I – Welches Sprachniveau braucht ein Schulkind?


Um in der Schule erfolgreich mithalten zu können, sollte ein Kind das Sprachniveau C 1 des europäischen
Referenzrahmens erreichen. Der Referenzrahmen dient Erwachsenen, die eine Fremdsprache erlernen wollen und Sprachschulen als Einstufungstest, um das optimale Kursniveau zu bestimmen.
Das Sprachniveau gliedert sich entsprechend des gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen in sechs Stufen von A1 (Anfänger) bis C2 (Experten).

Die untenstehende Tabelle habe ich von der Website der Migros-Klubschule kopiert.

A1-B1
Notwendige Unterrichtsstunden zur Erreichung eines Sprachniveaus: 80h – 150h

A1: Sie können einfache Fragen verstehen und beantworten.
A2: Sie können sich in vertrauten Situationen mit kurzen Sätzen verständigen.
B1: Sie finden sich in fast allen Alltagssituationen sprachlich zurecht.

B2 – C2
Notwendige Unterrichtsstunden zur Erreichung eines Sprachniveaus: 100h – 180h

B2: Sie können ihre Meinung zu vielen Themen spontan und klar ausdrücken
C1: Sie kommunizieren fliessend, differenziert und praktisch fehlerfrei.
C2: Sie beherrschen die Sprache fast so gut wie ihre Muttersprache. 

Der Schwerpunkt dieses Rasters liegt auf der gesprochenen Sprache, das Schriftliche wird nicht gross gewichtet. Ein Kind, das im Kindergarten zum ersten Mal mit der deutschen Sprache in Kontakt kommt, sollte innerhalb von 2 Jahren die Umgebungssprache, das Schweizerdeutsch lernen und danach sofort auf die Standardsprache umstellen können.

Vielfach wird angenommen, dass Kinder eine Sprache viel schneller und leichter lernen als Erwachsene. Viele Kinder erlernen die Umgebungssprache tatsächlich akzentfrei innert kurzer Zeit, allerdings haben sie andere Lernvoraussetzungen als ein Erwachsener. Kinder interessieren sich nicht für eine Sprache, Kinder möchten in erster Linie spielen, sie wollen dazu gehören, ihre Gefühle und Wünsche ausdrücken und ihre Bedürfnisse befriedigt bekommen. Ist dies alles nur in der Umgebungssprache möglich, ist das Kind hoch motiviert, es übernimmt schnell die wichtigsten Sprachfloskeln wie: „Ich will auch! – Gehört mir! – Gib mir!“ und kommt so über das Spiel, das Nachahmen an die Umgebungssprache heran. Das Kind hat auch, im Gegensatz zum Erwachsenen, fast den ganzen Tag Zeit, um die neue Sprache zu lernen, wenn es im optimalen Fall, den ganzen Tag in der Umgebungssprache „baden“ kann.

Vielerorts sind die einheimischen Kinder aber bereits in der Minderheit, fremdsprachige Kinder finden im Kindergarten immer öfter Kinder mit der gleichen Erstsprache, das deutsche Sprachbad kann nicht mehr stattfinden. Die Kinder können nicht wissen, wie wichtig es wäre, jetzt Deutsch zu lernen und spielen verständlicherweise mit den Kindern, die sie verstehen.

Kinder mit einer anderen Erstsprache bekommen im Kindergarten DAZ-Unterricht (Deutsch als Zweit-sprache), im günstigsten Fall zwei Stunden pro Woche, das heisst nach einem Jahr hatten sie 76 Stunden Deutsch. Gemäss der Migros-Klubschule-Tabelle erreichen sie in einem Jahr das Sprachniveau A 1, im nächsten Jahr sind sie auf A 2-Niveau in der Umgebungssprache; jetzt fangen sie mit der Standardsprache wieder fast bei Null an. Fand der DAZ-Unterricht in der Hochsprache an, können sie auf A 2-Niveau weiterlernen.

Während es für Fremdsprachenlerner spezielle Lehrbücher gibt, die sich dem Sprachniveau des Lerners anpassen, müssen die fremdsprachigen Kinder gleich von Anfang an, mit den Lehrmitteln für Erstsprachler
zu Recht kommen.

So stossen sie etwa in der dritten Klasse auf solche Sachrechnung:  „Im Jungwald standen 680 Fichten. 390 davon wurden ans Sägewerk und 110 Fichten wurden als Christbäume verkauft. Wie viele Bäume blieben stehen?“

Die Rechnung an und für sich ist nicht schwer, aber was ist ein Jungwald, was sind Fichten, Christbäume, ein Sägewerk und was hat dies alles mit Bäumen zu tun? Was bedeutet standen, wurden, blieben?

In der Alltagssprache verwenden wir nur ganz selten das Präteritum (Vergangenheitsform), im Schweizer-deutsch existiert es erst gar nicht, wir sagen: „sind gstandä“ (sind gestanden), „sind verchauft wordä“ (sind verkauft worden), „sind bliibä“ (sind geblieben) und auch in Filmen kommt diese Vergangen-heitsform fast nicht vor, der Fernseher kann auch nicht weiterhelfen. Das Präteritum findet sich vor allem in Bücher und Bücher lesen macht nur Spass, wenn wir auch verstehen, was wir lesen. 

Je früher die Kinder mit Geschichten und Büchern vertraut werden, umso einfacher fällt es ihnen die Gram-matikregeln der Hochsprache zu entdecken, die meisten Sprachen haben einen gesprochenen Dialekt und eine geschriebene Hochsprache. Wenn die Eltern zu Hause in der Erstsprache vorlesen, können die Kinder schon in frühen Jahren die Grammatikregeln der eigenen Hochsprache entdecken und diese später bei anderen Sprachen anwenden.


Deutsch sprechen II - Spiel und Sprache 


Immer wieder höre oder lese ich von Spielgruppen- und Kitaleiterinnen: "Unsere Kinder sprechen gut deutsch" - "Die Kinder verstehen sich auch ohne Sprache!" - "Die Kinder sprechen die Sprache des Spiels."

Wie aber definiert sich gutes Deutsch? Bitte versteht mich nicht falsch! Ich bewundere, ja beneide die Kinder um ihren Lerneifer und wäre stolz, könnte ich eine fremde Sprache so schnell aufnehmen wie sie. Wäre ich so engagiert und motiviert wie unsere Kinder, verstünde ich nach 10 Jahren als Spielgruppenleiterin schon mehr als 12 Sprachen und hätte in jeder von ihnen einen passablen Wortschatz aufgebaut.

Unsere Kinder haben sich im Laufe des Jahres einen grossen Verstehenswortschatz aufgebaut. Ganz viele alltägliche Fragen, Anregungen, Bemerkungen verstehen sie und können sie "richtig" beantworten allerdings "nur" mit einzelnen Worten, ganze Sätze sind bei unseren fremdsprachigen Kindern eher selten, manchmal kommt ein wunderschöner Satz, der uns mit Stolz erfüllt, wie: "Ich möchte jetzt doch aufs WC gehen." oder "Ich möchte Wasser trinken, bitte!" Unser Kinder können einfachen Geschichten folgen und sie mit ihren eigenen Worten nach erzählen.

Jetzt kommen unsere Kinder aber ins Rollenspielalter, jetzt wird es ernst. Ganz junge Kinder spielen einzeln nebeneinander, später gehen sie über zum Parallelspiel, bei dem zwei oder mehrere Kinder am gleichen Ort mit den gleichen Gegenständen spielen, sie regen sich zwar gegenseitig an, sprechen aber noch nicht über das gemeinsame Spiel. Im assoziativen Spiel tauschen die Kinder verschiedene Gegenstände untereinander aus, sie bleiben aber in ihrem eigenen Spiel. Wenn die Kinder diskutieren, Rollen verteilen, ihr Vorgehen gemeinsam planen, sprechen wir von kooperativem, vom Rollenspiel. 

Manchmal verstehen unsere fremdsprachigen Kinder die "Anweisungen" der anderen Kinder nicht, reagieren oder handeln nicht so, wie es erwünscht wurde und schon kann es passieren, dass sie aus dem Spiel ausgeschlossen werden. Passiert es öfter, dass sie ihrer Rolle nicht gerecht werden, hören sie gleich zu Beginn des Spiels: "Du darfst nicht mitspielen!" Noch können wir ein wenig erklärend und lenkend eingreifen, aber jetzt reicht die Sprache des Spiels nicht mehr, jetzt ist richtige Kommunikation gefragt.

Manchmal frage ich mich, was in Kindergärten passiert, in denen fünf bis sechs Kinder der gleichen Sprach-gruppe auf ein bis zwei einheimische Kinder treffen. Lernen die einheimischen Kinder die Sprache der Mehr-heit?

Und wie geht es mit den Deutschkenntnissen dieser Sprachgruppe weiter, wie werden sie motiviert unsere
Umgebungssprache zu lernen, um später in der Schule den Anforderungen gerecht zu werden?

Ich erinnere mich gut an ein Arbeitsblatt einer zweiten Klasse im Deutschunterricht. Es trug den Titel: "Finde das schwarze Schaf", in  5 Reihen waren je 4  Begriffen abgebildet und mit der jeweiligen Bezeichnung versehen. Unter anderem fanden sich Wörter wie Nikolaus, Eisblume, Butterfass, Pampelmuse, Petunie und Zylinder darunter. Nicht nur die fremdsprachigen Kinder suchten vergeblich nach einem schwarzen Schaf und mehr als ein einheimisches Kind konnte sich nichts unter einem Butterfass oder einer Pampelmuse  vorstellen!

Leider sind immer noch viele Lehrmittel auf Kinder mit deutscher Erstsprache und ausreichender Literarcy-Erfahrung ausgerichtet.

Ich möchte nochmals alle, die mit jungen Kindern arbeiten, ermuntern, auffordern, bitten, den Kindern ein gutes Sprachvorbild zu sein, viel mit ihnen zu sprechen, erzählt ihnen Geschichten, singt mit ihnen Lieder und haltet sie bitte so lange wie möglich von Smartphones, Computern und Fernsehern fern.

In der heutigen LOL- und YOLO-Welt[1] wird es immer wichtiger, dass wir Kinderbegleitpersonen uns darauf konzentrieren, gute Sprachvorbilder zu sein, sowohl für die Kinder, wie auch für die Eltern. Unser Sprachbewusstsein ist geschärft, wir sprechen in ganzen, gepflegten Sätzen, wir schaffen und nutzen Sprachanlässe.Wir zeigen den Kindern, wie lustvoll und nützlich die Kommunikation mit anderen sein kann, sie ist die Basis für späteres Lesen und Schreiben. Wir kommentieren die Handlungen der Kinder wie Reporter ein Fussballspiel und fördern so ihre Konzentration auf die momentane Aufgabe. Wir gehen sorgsam mit der Sprache, unserem wichtigsten pädagogischen Werkzeug um. Mit Fingerversen, Liedern, Abzählreimen und Geschichten bauen wir mit der Erzählsprache eine Brücke zur geschriebenen Sprache. 

Eltern die nur schlecht oder gar kein Deutsch sprechen, können ihre Kinder beim Erlernen der Umgebungs-sprache nicht unterstützen; sie können aber dafür sorgen, dass ihre Kinder in der Erstsprache einen guten Wortschatz erwerben und ihnen durch Geschichten und Bücher den Zugang zur erstsprachlichen Bildungs-sprache ermöglichen. Wenn ihre Kinder oft mit deutsch sprechenden Kindern spielen können und sie eine Vorschuleinrichtung besuchen, werden sie die Zweitsprache auch ohne Deutschkenntnisse der Eltern erlernen. Allerdings sollten die Eltern den Kindern zeigen, wie wichtig auch ihnen die Umgebungssprache ist und ebenfalls die deutsche Sprache lernen. 





[1] LOL = laughing out loud; YOLO = you only live onceDamit die Kinder einen guten Wortschatz aufbauen können, brauchen sie persönliche, interessante und gute Sprachvorbilder, die ihnen